Betreuung von an Demenz erkrankten Bewohnerinnen und Bewohnern in der „Bunten Gruppe“

BewohnerInnen

Kurzbeschreibung

Um den Bewohnerinnen und Bewohnern, die an Demenz leiden, eine adäquate Betreuung bieten zu können, wurde im Kolpinghaus „Gemeinsam Leben“ Wien-Favoriten die „Bunte Gruppe“ ins Leben gerufen. Hierbei handelt es sich um eine teilsegregative Betreuung von acht Bewohnerinnen und Bewohnern, welche in diesem Rahmen von speziell ausgebildeten Betreuungspersonen „gefordert und gefördert“ werden.

Entstehungsprozess

Die steigende Anzahl von an Demenz erkrankten Bewohnerinnen und Bewohnern im Kolpinghaus „Gemeinsam Leben“ Wien-Favoriten und die damit einhergehenden Herausforderungen für die Pflege und Betreuung führten 2011 zur Idee, eine spezielle Betreuung für diese Personengruppe zu entwickeln. Die Gruppe wird als „Bunte Gruppe“ bezeichnet: „Bunt“ im Sinne der Vielfalt, sowohl der Menschen, die von dieser Herausforderung betroffen sind, als auch im Sinne der Vielfalt von Möglichkeiten und Methoden, mit denen diesen Herausforderungen begegnet werden kann.

In der „Bunten Gruppe“ betreuen zwei in Validation und Gedächtnistraining ausgebildete Mitarbeiterinnen an fünf Tagen in der Woche jeweils von 10 bis 14 Uhr acht Bewohnerinnen und Bewohner. Die Betreuung findet vorwiegend in der Gruppe statt, jedoch besteht auch die Möglichkeit einer Einzelbetreuung, sollte es notwendig sein.

Für die Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner steht ein eigener Raum zur Verfügung, der im Bereich des Mutter-Kind-Wohnens angesiedelt ist. So können auch Begegnungen zwischen den betroffenen Bewohnerinnen und Bewohnern und den Kindern stattfinden. Das Mittagessen nehmen die Bewohnerinnen und Bewohner gemeinsam mit den beiden Mitarbeiterinnen der „Bunten Gruppe“ im Speisesaal ein.

Die angebotenen Aktivitäten orientieren sich an den Ergebnissen der Biografiearbeit und den dort erhobenen Informationen zu Alltagsaktivitäten der Bewohnerinnen und Bewohner. Es gibt aber auch Thementage (z.B. Baden, Schokolade), Aktivitäten im Jahreskreis (Ostern, Weihnachten) oder Feste (z.B. Sommerfest), die im Rahmen der Gruppe veranstaltet werden.

Einfache, an die Fähigkeiten und Ressourcen der Betroffenen angepasste Beschäftigungen, die sowohl der Erhaltung der noch vorhandenen Kompetenzen als auch der Entspannung und der Ablenkung dienen, schaffen für die Bewohnerinnen und Bewohner ein bekanntes, vertrautes und dadurch aktivierendes, orientierendes und angstreduzierendes Milieu.

Die Entscheidung ob eine Bewohnerin oder ein Bewohner in die „Bunte Gruppe“ aufgenommen wird bzw. ob eine Teilnehmerin bzw. ein Teilnehmer der „Bunten Gruppe“ diese aufgrund fortscheitender kognitiver Einschränkung nicht mehr besuchen kann, wird interdisziplinär im Team getroffen. Die Mitarbeiterinnen der „Bunten Gruppe“ stehen mit den betreuenden Pflegepersonen, den behandelnden Therapeut-innen und Therapeuten (Physio- und Ergo-therapie, Logopädie, Psychologie) sowie der ärztlichen Leitung des Hauses und den Angehörigen in engem Kontakt, wodurch auf neu auftretende Herausforderungen schnell reagiert werden kann.

Zielsetzungen

Die Mitarbeiterinnen der „Bunten Gruppe“ bieten den Bewohnerinnen und Bewohnern aus der Biografie bekannte Aktivitäten je nach deren individuellen Möglichkeiten und Fähigkeiten an. Die Förderung der Ich-, Sach-, Alltags- und Sozialkompetenz steht dabei im Vordergrund. So werden vorhandene Kompetenzen erhalten. Außerdem vermitteln wiederkehrende Rituale den betroffenen Bewohnerinnen und Bewohnern Sicherheit. Gleichzeitig kommt es in den Wohnbereichen zu einer deutlichen Entlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflege.

Auswirkungen

Die „Bunte Gruppe“ bewirkte bei den Bewohnerinnen und Bewohnern eine nachweisbare Reduktion der dementiellen Verhaltensauffälligkeiten und eine erhöhten Zufriedenheit der Betroffenen und deren Angehöriger.