Erinnerungsbuch

BewohnerInnen

Kurzbeschreibung

Das Erinnerungsbuch ist ein 20-seitiges persönliches Fotoalbum, das in kurzen Beschreibungen die Eckpunkte des Lebens der Bewohnerin bzw. des Bewohners festhält. Der Hausleiter bzw. Pflegedienstleiter übergibt das noch leere Buch der Bewohnerin, dem Bewohner oder den Angehörigen wenn möglich bereits vor dem Einzug, jedoch spätestens mit dem Einzug in das Haus St. Josef mit der Bitte, dieses zu befüllen.

Wichtige Ereignisse bleiben dadurch besser in Erinnerung und führen zur Wahrung der Identität der Bewohnerin bzw. des Bewohners, indem das Sicherheitsgefühl, sich selbst zu kennen, ausgelöst wird. Es ermöglicht die Stärkung des Selbstvertrauens und der Selbstachtung und bietet zugleich einen Anlass für Gespräche, welche die Bewohnerin bzw. der Bewohner selbst lenken kann. Das Erinnerungsbuch bietet der Bewohnerin bzw. dem Bewohner die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen über das bisherige Leben auszutauschen und zu erinnern. Dadurch können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Menschen in seiner Persönlichkeit besser wahrnehmen und darauf eingehen. Auch für Erfahrungen und Ereignisse im neuen Zuhause ist Platz im Erinnerungsbuch. Das zentrale Anliegen des Erinnerungsbuches ist es jedoch, sich an vergangene Zeiten zu erinnern und auf das eigene Leben zurück blicken zu können.

Das Buch sollte stets in Reichweite sein, damit die Bewohnerin bzw. der Bewohner jederzeit gemeinsam mit Angehörigen bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Blick hinein werfen kann und sich dadurch lebendige Gespräche entwickeln können. Nach dem Ableben der Bewohnerin bzw. des Bewohners erhalten die Angehörigen das Erinnerungsbuch als Erinnerungsstück.

Entstehungsprozess

Das Haus St. Josef arbeitet nach dem Grundsatz des Hausgemeinschaften - Konzeptes der Stiftung Liebenau Österreich. Dieses Konzept bedient sich verschiedener Ansätze der Betreuung von Bewohnerinnen und Bewohnern wie bspw. dem personzentrierten Ansatz oder der Orientierung an der Biographie. In diesem Kontext sind die wichtigsten Ziele in der Betreuung, das „Person – Sein“ zu erhalten sowie die Einzigartigkeit jedes Individuums mit seiner persönlichen Biografie und seinen Fähigkeiten anzuerkennen.

Vor diesem Hintergrund haben die Führungskräfte des Haus St. Josef in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen des Sozialzentrums Kloster Nazareth (einem weiteren Haus der Liebenau Österreich gemeinnützigen GmbH) und der Regionalleitung Oberösterreich / Kärnten ein Instrument entwickelt, welches die Persönlichkeit der Bewohnerinnen und Bewohnern unterstreicht.

Zielsetzungen

Ein wesentliches Ziel dieser Idee war es, ein Instrument zu schaffen, welches praktisch handhabbar und hilfreich ist, um mit Bewohnerinnen und Bewohnern, vor allem jenen mit einer dementiellen Erkrankung, in Kontakt zu treten und so das Selbstvertrauen und die Selbstachtung zu stärken.

Das Erinnerungsbuch unterstützt die Bewohnerinnen und Bewohnern dabei, sich an ihre Lebensgeschichte zu erinnern, und eröffnet den Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern die Möglichkeit, sich auf dieses gemeinsame Wiedererleben einzulassen.

Es bietet den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses St. Josef Anknüpfungspunkte, um einen verständnisvollen und einfühlsamen Umgang mit den Bedürfnissen der zu betreuenden Menschen zu schaffen.

Es festigt die Beziehung zwischen Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern und Bewohnerinnen bzw. Bewohnern und rückt diese in den Mittelpunkt.

Auswirkungen

Durch das Erinnerungsbuch wurde die Beziehungsqualität gestärkt und somit auch die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohnern gehoben. Die Gespräche auf der Basis des Erinnerungsbuches gewähren den Betreuungs- und Pflegekräften Einblick in die Gefühlswelt der Bewohnerinnen bzw. Bewohner und fördern das wertschätzende Verständnis.

Das Erinnerungsbuch hat sich positiv auf die mäeutische Arbeit im Haus ausgewirkt, da das Bilderleben zu Gesprächen anregt und diese Erkenntnisse wieder in den mäeutischen Prozess einfließen können.

Auf einen Blick

Organisation Haus St. Josef in Gmunden
Qualitäts- und Ergebnisfelder
  • 1.1. Orientierung auf Biographie und Lebensstil
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